Studieren in Deutschland
Hochschultypen
Die deutsche Hochschullandschaft erscheint auf den ersten Blick verwirrend. Wir möchten Ihnen dabei helfen, den richtigen Hochschultypen für Sie zu finden.
In Deutschland gibt es 355 staatlich anerkannte Hochschulen, an 165 Orten in der ganzen Bundesrepublik verteilt. Alle Hochschulen zusammen bieten mehr als 13.500 Studiengänge an. Und Sie haben die Wahl.
In Deutschland gibt es folgende Arten von Hochschulen:
- Universitäten
- Fachhochschulen
- Kunst-, Film- und Musikhochschulen
-
private und kirchliche Hochschulen
Universitäten
Wer sich Wissen gerne anhand von Theoriemodellen aneignet, der kommt vor allem an einer Universität auf seine Kosten. Wer lieber anwendungsbezogen lernt, der ist besonders gut an einer Fachhochschule aufgehoben. Hochbegabte Nachwuchskünstler können sich an den Kunst- Musik- und Filmhochschulen sehr gut entfalten. Menschen, die einen sozialen Beruf ergreifen wollen, werden darauf exzellent an den kirchlichen Hochschulen vorbereitet.
Die Universität ist die klassische Form der Hochschule. Die derzeit 117 Universitäten, zu denen so bekannte Universitäten wie die in Heidelberg, München, Tübingen oder die Humboldt Universität Berlin zählen, bieten eine klassische wissenschaftliche Ausbildung auf hohem wissenschaftlichem Niveau mit einem sehr großen Fächerspektrum an. Einige Universitäten, wie die RWTH Aachen, haben einen starken technisch-orientierten Schwerpunkt und bezeichnen sich daher als Technische Universität (TU) oder Technische Hochschule (TH), obwohl dort heute auch zunehmend geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer studiert werden können. Das deutsche Ideal von der Universität als einer Einheit von Forschung und Lehre prägt auch heute noch die Art der Ausbildung: Das Studium an einer Universität ist stark theoretisch ausgerichtet und weniger praxisorientiert.

Fachhochschulen
Die Fachhochschulen wurden in den siebziger Jahren gegründet. Damals merkten die deutschen Techniker und Ingenieure, dass eine spezielle Bildungseinrichtung für ihren Bereich fehlte. Aus den vereinzelten Ingenieurschulen und Wirtschaftshochschulen entstand ein neuer Hochschultyp: die Fachhochschule. Daraus erklärt sich das Fächerspektrum der Fachhochschulen: Hier werden ingenieurwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche Fächer gelehrt. Ein Medizin- oder Lehramtsstudium oder ein klassisches Jurastudium kann man an einer Fachhochschule hingegen nicht absolvieren. Insgesamt gibt es in Deutschland 158 Fachhochschulen. Im Gegensatz zu den Universitäten sind Forschung und Lehre an Fachhochschulen immer anwendungsorientiert. Der starke Anwendungsbezug der Fachhochschulen macht sich auch im Profil der Dozenten und Professoren bemerkbar: Viele von ihnen bringen Berufserfahrungen aus Industrie, Wirtschaft oder Sozialarbeit mit. Dieses Know-how befähigt sie, den Studierenden Einblicke in die Abläufe, Arbeitsweisen und Erwartungen von Unternehmen oder sozialen und kulturellen Einrichtungen zu vermitteln.

Kunst-, Film- und Musikhochschulen
Maler, Schauspieler, Dirigent: Wer seine künstlerische Begabung zum Beruf machen will, ist an einer der 58 staatlich anerkannten Kunst-, Musik- oder Filmhochschulen in Deutschland bestens aufgehoben. Das Spektrum der Studiengänge reicht von Malerei, Gestaltung und Architektur bis hin zu Regieführung, Musik und Schauspiel. Renommierte Kunstschaffende aus dem In- und Ausland garantieren dafür, dass der Nachwuchs seine Talente voll entfalten kann und den nötigen Praxisbezug erhält. So bieten zum Beispiel die Filmakademie Ludwigsburg, die Hochschule für Fernsehen und Film in München und die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg stark praxisbezogene Ausbildungen für Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren und Produktionsleiter an. Die Kunsthochschule für Medien Köln oder die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe wiederum haben sich als Ausbildungsstätte für Medienkunst- und Medientechnik etabliert. Besonders begehrt bei armenischen Studierenden sind die Musikhochschulen. Dort werden künftige Sänger, Dirigenten, Instrumentalmusiker, Musikpädagogen und Musiklehrer ausgebildet. Darüber hinaus bieten einige Musikhochschulen auch Ausbildungsgänge in Jazz (zum Beispiel Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Hochschule für Musik Köln), Musiktheater-Regie (zum Beispiel Folkwang Hochschule Essen, Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin), Bühnentanz (Hochschule für Tanz Dresden, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main) oder Kirchenmusik (Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf) an.
Bei den Musikhochschulen gilt ebenso wie bei den Kunst- und Filmhochschulen: Die Zahl der Studienplätze ist stark begrenzt. Nur wer bei der Eignungsprüfung sein Talent beweist hat eine Chance. Ohne Mappen mit eigenen Arbeiten, Referenzen und häufig auch Aufnahmeprüfungen gibt es auch keinen Zutritt an eine der Kunst- und Filmhochschulen. Dafür können besonders Begabte auch ohne Hochschulreife zugelassen werden. 
Private und kirchliche Hochschulen
Das Profil der rund 40 kirchlichen Hochschulen in Deutschland ist weitaus breiter gefächert als die Bezeichnung „kirchlich" vermuten lässt. Neben Priestern und Theologen werden dort auch künftige Sozial-, Heil- und Religionspädagogen, Fachkräfte für das Pflege- und Gesundheitswesen und Kirchenmusiker qualifiziert. Die meisten dieser Studienangebote wird von den Fachhochschulen durchgeführt, die in Trägerschaft der evangelischen oder katholischen Kirche stehen.
Private Hochschulen haben sich in den letzten Jahren in der deutschen Hochschullandschaft etabliert. Innerhalb von nur zehn Jahren ist ihre Anzahl von 24 auf derzeit 63 angestiegen. Angeboten werden vor allem rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fächer. Private Hochschulen bemühen sich häufig um enge Kontakte zur Wirtschaft, von denen die Studierenden nach Studienabschluss profitieren sollen. Dies hat allerdings seinen Preis: Studienbewerber müssen einen Auswahltest bestehen und jährlich bis zu 20.000 Euro Studiengebühren zahlen. Private Hochschulen benötigen eine staatliche Anerkennung, um Studienabschlüsse anbieten zu können, die denen staatlicher Bildungseinrichtungen gleichwertig sind.
